Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hegge
Als im Jahre 1885 die bis dahin in privat Besitz sich befindliche Papierfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewanelt wurde, bestanden in dem Werk selbst noch keinerlei Feuerlöscheinrichtungen. Die Leitung des Werkes war im Brandfalle auf die Hilfe der Nachbarwehren und auf die Feuerwehr der Gemeinde Waltenhofen angewiesen, die aber allesamt so weit vom Werk entfernt waren, daß gegebenenfalls das erforderliche rasche Eingreifen nicht möglich war.
Da nun das Werk im Jahre 1890 bedeutend erweitert wurde, kam der Wunsch nach einer eigenen Fabrikfeuerwehr auf. Wenn auch in erster Linie die Sorge dem Schutz der eigenen Gebäude im Falle eines Brandes galt, so folgte man jedoch auch dem Wunsche, in der Nachbarschaft bei Feuersgefahr schützend für das Wohl der Mitmenschen rasch eintreten zu können.
Es waren neben den Herren des Aufsichtrats Herr Direktor Ferdinand Oechelhäuser sowie Herr Friedrich von Hößle, die den Gedanken, eigene Feuerlöscheinrichtungen in der Fabrik zu schaffen, in die Tat umsetzten. Wenn auch die Gründung einer Fabrikfeuerwehr vorerst nicht geplant war, so kam eine solche nach Eintreffen der vom Aufsichtrat 1890 genehmigten Geräte alsbald zustande.
Besonders Herr von Hößle war in hervorragender Weise an der Gründung und Organisierung der Fabrikfeuerwehr tätig und ihm gebürt der Hauptverdienst, daß die Chargen (Oberfeuerwehrmänner) und Manschaften nach dem Übungsbesuch für Landfeuerwehren, in ganz kurzer Zeit, so vortrefflich im Schul- und praktischen Dienst unter seiner Leitung eingeübt wurden, daß die Wehr bei ihrer Aufnahme in den bayerischen Landesverband am

20. September 1891 dem Gründungstage der Freiwilligen Fabrikfeuerwehr Hegge zu einer der Besten zählte.
Die Gründer der Wehr waren:

Herr Direktor Ferdinand Oechelhäuser und Herr Friedrich von Hößle
Als Gründungsmitglieder sind bekannt:
Herr Direktor Wilhelm Kurz
Herr Gustav Folz
Herr Josef Hartmann
Herr Jakob Boxler
Herr Engelbert Depaoli
Herr Johann Hiltensberger
Die Wehr bestand kurz nach der Gründung aus 30 Mitgliedern. Die Belegschaft hatte erfreulicher Weise die Notwendigkeit des eigenen Feuerschutzes ihrer Arbeitsstätte erkannt und so konnte es nicht ausbleiben, daß die Mitgliederzahl sich von Jahr zu Jahr steigerte, bis sie zunächst 1913 ihren Höchststand mit 64 Mitgliedern erreichte. Dann brach der 1. Weltkrieg aus, der auch die Reihen der Wehrmänner stark lichtete. Doch schon ein Jahr nach Kriegsende konnte der Vorkriegsstand erreicht werden. Eine Unsumme von Arbeit wurde von den Mannschaften und Chargen geleistet, leider sind die Aufzeichnungen über die Übungen von 1891 - 1909 verloren gegangen.
Zu einer guten Feuerwehr gehören aber auch entsprechend Geräte. Mit einer kleineren vierrädrigen Handdruckspritze, die kurz vor Gründung der Wehr Ende 1890 angeschafft wurde, begannen damals die ersten Geräteübungen . Dieser folgten 1892 eine Schiebeleiter, sowie ein kombinierter Schlauch- und Leiterwagen, ferner wurde im Papiermaschinengebäude eine Dampfstrahlpumpe aufgestellt. Die Mannschaft erhielt außerdem die erforderlichen Ausrüstungsstücke, so daß nun flott in drei Zügen gearbeitet werden konnte.
1897 wurde dann die vorhandene Schiebeleiter durch die Fa. C. D. Magirus Ulm in eine zweirädrige mechanische Leiter umgebaut, was als bedeutender Fortschritt für die Wehr zu vermerken war. Mit den nun vorhandenen Geräten wurde fleißig weiter geübt, es stellte sich heraus, daß die vorhandene Handdruckspritze doch nicht mehr den Ansprüchen genügte, die man an sie im Brandfalle stellen mußte. Und so stellte die Wehr 1908 den Antrag bei der Direktion, eine neue, größere Feuerspritze zu beschaffen
Dem Antrag wurde stattgegeben und die Spritze bewilligt unter der Bedingung, daß die Spritze in der eigenen Reparaturwerkstatt der Papierfabrik selbst hergestellt wurde. Ohne lange zu zögern, machte sich am Pfingstmontag eine Abordnung der Wehr, bestehend aus den Herrn Ferd. Oechelhäuser, Vorstand Herrn Schillings, Kommandant Jos. Hartmann, Adjudant und dem Bezirksvertreter Joh. Kleinheinz auf den Weg nach Augsburg, um im dortigen städt. Feuerhause die Bauarten der dort vorhandenen Spritze zu besichtigen.
Das in Augsburg gesehene, sollte beim Bau der neuen Spritze verwertet werden. Wobei besonders auch Bedacht darauf genommen wurde, daß im auswärtigen Brandfalle eine entsprechende Bedienmannschaft sogleich mit der Spritze an Ort und Stelle befördert werden konnte. Herr Maschinenmeister Gustav Volz machte sich unverzüglich an die Fertigung der Pläne und nach deren Genehmigung ging man bereits Ende August mit großem Eifer an den Bau der Spritze, der denn auch unter Leitung des Herrn Volz so gefördert wurde, daß sie schon am 30. Dezember 1908 fix und fertig, ein Meisterwerk der Reparaturwerkstätte, ein Prachtstück für die Feuerwehr Hegge, derselben übergeben werden konnte. Blitzsauber, mit ihren funkelnden Eisen-, Kupfer- und Messingteilen verließ sie ihre Geburtsstätte und siedelte in den Geräteschuppen der Wehr über.
Die Feuerspritze war eine Saug- und Druckspritze für Handbetrieb. Das vierrädrige Wagengestell wurde ganz aus Schmiedeeisen hergestellt und ruhte auf kräftigen Federn. Die Zylinderbohrung betrug 135 mm, die Leistung bei 45 Doppelhub 290 Liter pro Minute. Die Wurfweite ist bei 16 mm Strahlrohr 38 m und bei zwei Stück 12 mm Strahlrohren 33 m, eine für die Spritze respektable Leistung. Auf der Spritze hatten 13 Bedienungsleute bequem Platz.
In dem im Wagengestell untergebrachten Requisitenkasten konnten 180 m Druckschläuche untergebracht werden. Außerdem befanden sich in demselben noch zwölf Pechfackeln, ein Paar Gummihandschuhe, als eiserner Bestand, ferner das erforderliche Werkzeug und Schmiermaterial. Weiter war die Spritze noch ausgerüstet mit acht ledernen Feuereimern, einem Pickel, einer Spitzschaufel, einem Ledertornister mit Rauchhabe, einem Sanitätstornister und vier Spiral-Saugschläuchen von einer Gesamtlänge von 7,6 m.
Die Spritze wurde im April 1909 seitens des Bezirks einer genauen Prüfung unterzogen, und man hörte bezüglich Ausführung und Leistung nur Worte des Lobes. Nach Inbetriebnahme der neuen Feuerspritze wurde die 1892 beschaffte kleinere Spritze nach 17jähriger Dienstzeit, in welcher sie nicht nur bei den vielen Übungen Unmengen Wasser hat schlucken und ausspeien müssen, sondern auch bei 15 Bränden ihrer Pflicht stets vollauf genügte, in Hegge außer Dienst gesetzt.
Es hieße undankbar gegen sie sein, wenn man sie ins alte Eisen geworfen hätte, darum trat sie ihre Reise nach Kinsau in die dortige Zweigfabrik an. 14 Jahre hatte der Spritzenzug Freude an der neuen, größeren, vor Sauberkeit immer noch funkelnden Spritze, bis eines schönen Tages, es war im Jahre 1923, ein noch größeres und ganz und gar rotes Etwas in das Feuerhaus hineingeschoben wurde.
Es war die neue Motorspritze. Als deren Motor zu surren anfing, da wußte die in Schwarz gehaltene Handdruckspritze, daß auch ihr letztes Stündlein in Hegge bald geschlagen haben dürfte. Es dauerte auch nicht lange, da wandten sie alle Herzen des Spritzenzuges der "Neuen" zu, was ja leicht verständlich, hörte doch nun vermutlich die saure und schwere Arbeit des Pumpens auf.
Doch so leicht gab sich die "Alte" nicht geschlagen, fünf volle Jahre setzte sie bei den Übungen sowie Bränden die Bedienmannschaft unter Schweiß, bis sie im Jahre 1928 das Schicksal ihrer kleinerern Schwester von 1892 teilen mußte. Sie wurde zwar nicht nach Kinsau verschickt, wanderte aber in die Gemeinde Akams aus, wo sie wieder zur Freude der dortigen Wehr ihren Zweck voll und ganz genügte.
Die im Jahre 1923 beschaffte Motorenspritze
In der Zwischenzeit wurde noch eine fahrbare Schlauchhaspel für 250m und mit 242 m Schläuchen sowie ein doppeltes Standrohr, zwei Strahlrohe und Zubehör beschafft.
Im Kesselhaus wurde eine weitere Dampfpumpe für Feuerlöschzwecke montiert. Dieselbe hatte einen Schlauchanschluß von 55 mm, bei einem Druck von zehn Atm. hatte sie eine Wurfhöhe von 60 m und eine Wurfweite von 60/80 m. Die Leistung der Pumpe betrug 600 l/min.
Zu dieser Pumpe kam noch die Transmissionspumpe im Papiermaschienensaal. Diese hatte zwei Schlauchanschlüsse von je 55 mm l. W. Bei einen Druck von 1,8 Atm. hatte sie eine Wurfhöhe von 15 m und eine Wurfweite von 15/20 m.
Die Dampfstrahlpumpe im Altbau wurde beim Brand 1929 zerstört. Die im Jahre 1923 angeschaffte Benzin-Motorspritze wurde von der Fa. E.C. Flader-Jöhnstadt geliefert. Der Wagenrahmen war aus starkem U-Eisen und ruhte auf kräftigen Stahldruckfedern. Der Requistienkasten hatte seinen Platz auf dem Vorderwagen und war als Sitz ausgebildet, auf dem vier Personen Platz fanden. Seitlich des Sitzes befand sich eine abnehmbare Schlauchhaspel mit 50 m Schlauch, auf der anderen Seite war eine elektrische Batterie eingebaut zur Speisung der Beleuchtungsanlage.
Ein zweirädriger abprotzbarer Schlauchwagen mit 150 m Schlauch war am rückwärtigen Teil der Spritze angebracht. Die Pumpe war eine moderne mehrstufige Hochdruckzentrifugalpumpe und besaß Saug- und Druckanschlüsse beiderseits, die mit Spindelabsperrschiebern ausgestatten waren.Der Antrieb erfolgte direkt vom Motor unter Zwischenschaltung einer elastischen Kupplung. Der Motor war vierzylindrig, die Ölung der Lager automatisch.
Eine Entlüftungspumpe diente zur Luftleermachung der Pumpe und der Saugleitung. Der Benzinbehälter faßte Betriebsstoff für ca. sechs Betriebsstunden. Die Spritze war ausgestattet mit sechs m Spiralschlauch, einem Sauger, zwei großen und vier kleinen Strahlrohren, ferner mit den nötigen Schlüsseln und Reserveteilen für den Motor.
Die Leistung der Spritze war bei 2 m Saughöhe und freiem Auslauf 1200 l/Min. Die Wasserlieferung pro Minute war bei 70 m Förderhöhe 800 Liter, die Strahlweite einstrahlig war 48/50 m, Strahlhöhe 30/32 m. Die erreichbare Saughöhe betrug 8 m, der Durchmesser des Saugstutzens war 90 mm, der des Druckstutzenes 2 x 65 mm.
Im Mai 1931 wurde die Anschaffung einer Motorenspritze beschlossen und im Juli 1931 sandte diese ihre ersten Wasserstrahlen bereits in Hegge probeweise in die Höhe. Es war eine tragbare Kleinmotorenspritze mit Zweizylinder-Viertaktmotor von 16 PS max. Bremsleistung. Die Spritze war mit einstufiger Kreiselpumpe ausgestattet, das Spritzenaggregat war in ein Traggestell von Stahlrohren eingebaut.
Die Spritze konnte auf einem einachsigen Wagen transportiert werden. Die Leistung der Spritze betrug 600 l/Min., 60 m gesamte manometrische Förderhöhe bei 7,5 m manometrischer Saughöhe. Die Höchstsaughöhe war 9,4 m, die Förderhöhe konnte auf 85 m gesteigert werden.
Außer diesen Löschgeräten waren im Fabrikbetrieb noch 25 Handfeuerlöscher aufgestellt, in den Wohnhäusern acht Handfeuerlöscher und zwei Schlauchkästen mit je 30 m Schlauch, sowie Strahlrohr und zwei Standrohe für Unterflurhydrantgen.
Zirka 1000 m Schläuche standen der Wehr zur Verfügung, um das Wasser gegebenenfalls auch von weiter Entfernung an den Brandplatz heran holen zu können. Ab 1924 war im Werke eine ständige Feuerwache eingerichtet während der Zeit, in der der Betrieb ruhte. Die Wache wurde von der Wehr gestellt.
Bereits ein Jahr nach der Gründung konnte die Wehr die ersten Hilfen bringen und ein Zeugnis davon ablegen, was sie unter der tüchtigen Leitung ihres ersten Kommandanten v. Hößle in so kurzer Zeit mit großem Eifer und Fleiß gelernt hatte und zu leisten vermochte.
